... falls man lediglich die Hände und Füße bewegt, kann man auch gleich Tanzen üben. So wird man niemals die wahre Bedeutung des Karate verstehen!

Gichin Funakoshi, Karate-Do-Nyumon

Prävention und Selbstverteidigung für Kinder

Am letzten Samstag vor den Weihnachtsferien führten wir in der Sporthalle am Bünberg erstmals ein Präventions- und Selbstverteidigungsseminar für Kinder von acht bis 12 Jahren durch. Verhaltensschulung und Konflikt- bzw. Gefahrenvermeidung standen im Vordergrund des 3-Stündigigen Seminars. Wesentliches Thema war das Vermitteln des deutlichen NEIN-Sagens und dies auch mit Körpersprache und Stimme zu unterstreichen. Ob man den Kindern Nein-Sagen beibringen muss, ist tatsächlich keine Frage, sondern eine Tatsache. Kindern, insbesondere Mädchen wird immer beigebracht stets brav und gehorsam zu sein, und Respekt vor Erwachsenen zu haben. Die Trainer machten klar, dass all dies nicht im Widerspruch zu einem deutlichen NEIN stehen muss. Den Kindern wurde erklärt, dass NEIN nicht verhandelbar ist, NEIN bedeutet NEIN!

In kleinen Szenarien auf dem Schulhof wurde Verhalten mit Fremden am Auto geschult. So lernte ein Mädchen schnell, dass ein freundlicher Fremder, der ihr Hundewelpen zeigen wollte, nicht freundlich war. Schnell gepackt und schon war das Mädchen im Kofferraum. Das Erstaunen war bei allen groß, als in der Kiste mit den angeblichen Hundewelpen nur ein Handy drin lag, dass die Geräusche von Welpen widergab.

Natürlich zeigten unsere Trainer Jürgen Dach, Mirko Panitz, Wilfried Zuschlag und Jürgen Wacker (alle sind DAN-Träger und DOSB lizenzierte Selbstverteidigungs- und bzw. Gewaltschutztrainer) den Kindern kleine effektive Tricks, wie man sich in verschiedenen Situationen körperlich wehren kann. Aber auch hier stand im Vordergrund, dies ohne körperliche Gewalt zu tun.

Wie die Tochter, so die Mutter

Acht Jahre brachte Natalia Meister ihre Tochter Michelle drei Mal die Woche zum Karatetraining. Dann eines Tages stand sie im Karateanzug in der Halle am Bünberg. Auf die Frage des erstaunten Trainers, antwortete sie: „Das kann ich auch!“ Und in den darauffolgenden Jahren zeigte sie, dass sie es ernst gemeint hatte.

Am 3.Dezember legte sie die Prüfung zum 1. Dan (Schwarzer Gürtel) ab. Trotz Coronaerkrankung im Herbst war sie nicht zu Stoppen. Mit Beharrlichkeit, Ausdauer, Fleiß und dem Willen immer wieder im Training über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinauszugehen, hatte sie nicht nur ihre Heimtrainer überzeugt, auch die beiden Prüfer Großmeister Michael Lechte, 7. DAN und Sensei Rainer Tippe, 6. DAN lobten ihre Leistung in der Prüfung.  

Nach einer zweistündigen Prüfung nahm sie überglücklich die Urkunde zum ersten Dan aus den Händen der beiden Prüfer entgegen. Sichtlich bewegt bedankte sie sich bei Ihren mitgereisten Heimtrainern Jürgen Dach und Jürgen Wacker (beide 4.  DAN), sowie ihrem Prüfungspartner Wilfried Zuschlag (1. DAN), der Woche um Woche mit ihr trainierte, für die Unterstützung in den letzten Monaten.

Täter suchen Opfer - Teil 3

„Täter suchen Opfer“

Unter diesem Motto trafen sich am 22. Oktober erneut Männer und Frauen von 22 bis 75 Jahren zum dritten, aufeinander aufbauenden Selbstverteidigungs(SV)seminar beim Karate Verein Bebra. Steigende Coronainfektionen hatten im Vorfeld für viele Absagen gesorgt. Gleich in der ersten Trainingseinheit machten die beiden SV-Lehrer Jürgen Dach und Jürgen Wacker klar, dass es in der „Selbstverteidigung kein Platz für Ego gibt“.  In verschiedenen Übungen wurden die Teilnehmer*innen dafür sensibilisiert, sich in Stresssituation zurückzunehmen. „De-Eskalation vor Eskalation – Rückzug ist jederzeit möglich“ war der Handlungsleitfaden für das fünfeinhalbstündige Seminar. Die zweite Trainingseinheit fand auf dem Schulhof statt. Dort wurden verschiedene Situationen, die man täglich erleben kann, durchgespielt. Auch hier war das Ziel nicht zu kämpfen, sondern umsichtig zu handeln. Diese kurzen, drei bis vier minütigen Szenarien, wurden im Video aufgezeichnet und anschließend mit Allen besprochen. Danach ging es dann in die „Gewaltphase“, d.h. die Vermeidung einer körperlichen Auseinandersetzung war nicht mehr möglich. Schwerpunkt hierbei war der Einsatz präventiver und reaktiver Techniken, um sich in einer körperlichen Auseinandersetzung zu behaupten. Das hierbei nur vier Techniken gelehrt wurden, überraschte so manchen der Teilnehmer*innen. Selbstverteidigung besteht nach Ansicht der Bebraer SV-Lehrer zu 60 Prozent aus Aufmerksamkeit, zu 35 Prozent aus Selbstbehauptung und nur zu 5 Prozent aus Techniken. Auf vielen SV-Lehrgängen werden unzählige Techniken, wie Hebel, diverse Block- und Schlagtechniken unterrichtet, die unter extremen Stress bei Adrenalinzufuhr und Pulsraten >180, auch nach jahrelangem Training nicht funktionieren. Die Trainer erhöhten den Stresslevel in den Übungen stetig, damit Allen klar wurde, wie schwer es ist, sich unter hohen Pulsraten und steigender, körperlicher Erschöpfung wirksam zu verteidigen und nicht aufzugeben! „Eine Selbstverteidigungssituation ist erst dann vorbei, wenn man sich unter Eigenschutz zurückziehen und mit sicherem Abstand zum Tatort die Polizei informieren kann“, so die beiden SV-Lehrer.

Sichtlich erschöpft aber zufrieden mit den eigenen Leistungen verabschiedeten sich die Teilnehmer*innen bis zum nächsten Lehrgang.

Hartes Training hat sich gelohnt

Nach langen, durch Corona bedingte Trainingspausen, stellten sich 22 Karateka der Herausforderung den nächsten Gürtel zu erwerben. Um an der Prüfung teilnehmen zu können, hatten die Prüflinge in den vergangenen Monaten besonders hart und intensiv trainiert.

Die Prüfung begann mit einem Fitnesstest, danach mussten die Prüflinge ihre erworbenen Fähigkeiten in den Pflichtdisziplinen Kihon (Grundschule), Kata (Formenlauf) und Kumite (Kampf) beweisen. Prüfer Jürgen Wacker, 4. DAN überreichte den glücklichen Prüflingen die Urkunden, sowie die neuen Gürtel und lobte alle für ihre sehr guten Leistungen.

 

Herauszuheben ist die Prüfung von Mia Neumann. Die 12-Jährige, die vor sechs Jahren mit dem Karate in Bebra begonnen hat, legte die Prüfung zum dritten Kyu (dem ersten braunen Gürtel) ab. Sie musste sich zusätzlich noch in der Selbstverteidigung und der Kata-Bunkai beweisen, d.h. es galt Angriffe nicht nur abzuwehren, sondern den Angreifer auch unter Kontrolle zu bringen. In der Kata-Bunkai musste sie die Selbstverteidigungstechniken der Kata Tekki Shodan mit Partner demonstrieren. Dies ist umso höher einzustufen, da Kata-Bunkai in anderen Stilrichtungen erst zu Schwarzgurtprüfungen geprüft wird.

"Täter suchen Opfer" - Teil 2

"Täter suchen Opfer, keine Gegner" - Teil 2.

Am 7. Mai fand unser zweites Selbstverteidigungs-Basis-Seminar statt. Nach Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Jürgen Wacker ging es gleich ins Eingemachte.  Die erste Trainingseinheit bestand aus der Wiederholung des Erlernten aus dem vorherigen Seminar. Großer Wert wurde hierbei auf die Schutzhaltung, eine starke Körpersprache verbunden mit einer klaren und lauten Stimme gelegt. Auch das Erkennen und insbesondere Vermeiden von Gefahrensituationen wurde wiederholt.

In der zweiten Trainingseinheiten wurde der richtige Einsatz des Körpers in der SV unterrichtet. Hier gilt der Grundsatz immer mit Vorwärtsdruck zu arbeiten. In den weiteren Trainingseinheiten wurden das präventive sowie das reaktive Agieren auf einen Täterangriff erarbeitet. Als Abschluss wurde die Abwehr von sechs typischen Straßenangriffen, einschließlich des Würgens mit zwei Händen trainiert. Straßenangriffe haben das Ziel, das Opfer durch physische und auch psychische Gewalt wehrlos zu machen. Die Ausbilder legten großen Wert darauf, dass hier nicht die Technik entscheidend ist, sondern das sofortige, dauerhafte zur Wehr setzen. „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist und man sich aus der Situation sicher zurückziehen kann“, so einer der Ausbilder.

Im September wird dann ein Wiederholungsseminar der ersten beiden Seminartage stattfinden, um das Erlernte zu festigen. Danach sind weitere aufbauende Seminare geplant.

Archiv

 

Gijutsu yori shinjutsu.
Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.

Gichin Funakoshi, Begründer des modernen Karate

Die nächsten Termine:

SV-BASIS-3 Seminar in Bebre am 28. Januar 2023

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